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Interview mit Bernd Scholz PDF Drucken E-Mail
Freitag, 1. Januar 2010
Das Jahr 2010 hat gerade erst begonnen und unser FC M hat den ersten Transfer getätigt. Ein Altbekannter feiert ein „Come Back“ in Mitwitz, denn immerhin schnürte er schon einmal die Schuhe für unseren Verein. Selbstverständlich hat das Homepage-Team keine Kosten und Mühen gescheut, den „Neuen“ zum Gespräch zu bitten. Brandaktuell gibt es hier zu lesen, welche Beweggründe es für den Wechsel gab und wo der Spieler zukünftig bewundert werden kann.
HP: Willkommen zurück, Bernd! Wir freuen uns, dich wieder in Mitwitz begrüßen zu dürfen. Was hat dich „geritten“, um als Kemptner wieder zum FC M zu kommen? Immerhin sind wir ja nicht gerade in deiner Nähe…

Bernd Scholz:Hallo erstmal. Zunächst möchte ich mich bedanken, dass ich in den erlauchten Kreis der Interviewten vorstoßen darf. Damit habe ich nicht gerechnet.Meine Beweggründe sind einfach. Ich habe mich beim FCM immer sehr wohl gefühlt und es hat in jeder Mannschaft ungemein Spaß gemacht.Nachdem ich in der vergangenen Saison den Meistertitel mit der 3. Mannschaft erringen konnte, hielt ich es für einen guten Zeitpunkt, meine Zelte abzubrechen und in meiner neuen Heimat woanders fussballerisch Fuß zu fassen. Als nach den ersten paar Saisonspielen der dortige Trainer gesagt hat, ich solle doch mal trainieren, sonst darf ich nicht spielen, geriet ich ins Grübeln. Dadurch, dass das Herz immer weiter für den FCM schlug, der Kontakt nie abgerissen ist und der aktuelle Trainer der 3. Mannschaft mich mit einer Stammplatzgarantie lockte, war für mich die Entscheidung gefallen. Natürlich werde ich nicht bei vielen Spielen zur Verfügung stehen. Aber lieber 4 Spiele für das FCM Dreamteam, als woanders regelmäßig bei Schnee und Eis ein Training besuchen. Das ist nicht meine Welt.

HP: Immerhin hast du ja schon Bezirksliga-Erfahrung in Mitwitz sammeln dürfen. Hast du diese Referenz nicht zu deinem Vorteil nutzen können?

Bernd Scholz:Das stimmt sogar. In unserem ersten Bezirksliga Jahr gehörte ich des öfteren zum Kader und durfte sogar das ein oder andere mal spielen.Das war eine tolle Erfahrung für mich und ich kann nur jedem jungen Spieler raten, sich dementsprechend reinzuhängen, um auch mal bei einer Bezirksliga Truppe dabei zu sein. Wobei man natürlich die Kirche im Dorf lassen muss. Wir hatten damals viel weniger Spieler, noch dazu Verletzte und haben mit Ach und Krach den Ligaerhalt über die Relegation geschafft. Aber ich bin stolz, dass ich bei der Geburtsstunde der zweiten Mannschaft dabei sein durfte, die ja mittlerweile auch einen erfolgreichen Weg geht. Zu deiner eigentlichen Frage: Ein Fussballer sollte wissen, dass Erfolge aus der Vergangenheit nicht viel zählen. Wichtig ist, was du aktuell für eine Leistung bringst. Und bei meinem Allgäuer Verein habe ich meine „paar Bezirksliga Einsätze“ vorsichtshalber verschwiegen… Nicht das die noch auf die Gedanken kommen, ich wäre ein guter Fussballer. An dieser hohen Erwartungshaltung wäre ich wahrscheinlich zerbrochen.

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HP: Deine Erfahrung wirst du ja nun in Mitwitz nicht verheimlichen können. Welche Erwartungen dürfen unsere fußballbegeisterten Fußballer an dich haben?

Bernd Scholz: Ich denke nicht, dass es eine Erwartungshaltung der Zuschauer an mich gibt, was meine fussballerischen Fähigkeiten angeht. Die meisten kennen mich seit Jahren und wissen, was ich kann und was nicht. Ich würde mich nicht als völlig talentfrei bezeichnen, allerdings war ich noch nie der bissigste und eifrigste.Nichtsdestotrotz erwartet man von mir wahrscheinlich ein bisschen mehr, als von einigen anderen Spielern der 3. Mannschaft.Wenn ich aber eins gelernt habe über die letzten Jahre dann ist es folgendes: Wichtig ist nicht, was andere von dir erwarten, sondern was du von dir selbst erwartest. Und ich erwarte von mir, ein paar schöne Sonntage auf dem Fußballplatz mit viel Spaß und guter Unterhaltung für die Zuschauer. Ich denke, dass ist alles was zählt. Vor allem in den niedrigen Klassen.

HP: Das klingt auf jeden fall sehr ehrenhaft. Apropos "Ehre": Gibt’s da nicht noch ein "Ehrenamt", das du ausübst?

Bernd Scholz: Aktuell fällt mir da nur der Stadionsprecher ein. Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich nicht mehr.Ich glaube, der damalige Stadionsprecher ist plötzlich einfach verschwunden oder hat andere Prioritäten gesetzt.Auf jeden Fall scheinen diese Fähigkeiten eher gefragt zu sein, als meine fußballerischen. Seit ich aus Mitwitz weg bin, bekomme ich immer wieder SMS von Markus Fischer oder werde von der Vorstandschaft direkt angesprochen.Allerdings sagt da keiner: "Hey Scholzinger, hast nicht Lust wieder bei uns zu spielen?" Da wird immer nur gefragt:" Kannst du am WE Stadionsprecher machen?"So ist das halt...:)Mein Ehrenamt als Hilfssheriff im Mitwitz County kann ich leider Gottes aus beruflichen Gründen nicht mehr ausüben. Auch wenn ich mit Harald Weissbrodt immer ein gutes und kollegiales Verhältnis hatte. An dieser Stelle auch mal ein Dankeschön an ihn für seine hervorragenden Führungsqualitäten und die konstruktive Zusammenarbeit.

HP:Immerhin hast du doch in jeglicher Position für Furore und Aufsehen gesorgt. Hast du vielleicht das eine oder andere Erlebnis für uns, um das eine oder andere Highlight Revue passieren zu lassen?

Bernd Scholz:Grundsätzlich hatte ich während meiner FC Zeit viele schöne Erlebnisse.Als ich 2004 zur damaligen Kreisklassenmannschaft hinzu gestoßen bin, hatte ich einen sehr warmen Empfang. Ich würde die Zeit Ende Kreisklasse 2004 und Kreisliga 2005 als meine fußballerisch beste Zeit einstufen. Damals dachte ich wirklich, dass ich mal ein Fußballer werden kann.Ansonsten bleiben mir unsere damalige Abschlussfahrt nach Mallorca, sonstige Ausflüge mit der Mannschaft, die vielen Meisterschaften und Aufstiege, die unzähligen Schafköpfe bis tief in die Nacht, die vielen lustigen Fußballspiele und meine Tätigkeit als Hilfssheriff in Erinnerung.Was vielleicht wenige wissen: Ich war auch mal Aushilfstrainer der zweiten Mannschaft. In unserer ersten A-Klassen Saison sind wir mit 12 Spielern und ohne Betreuer zu einem Auswärtsspiel nach Zeyern gefahren. Da ich damals Kapitän war blieb mir nichts anderes übrig, als die Mannschaft zu betreuen und für Aufstellung, Motivation und einer gewissen taktischen Ausrichtung zu sorgen. Wobei mir die Aufstellung aufgrund der geringen Anzahl der Spieler natürlich leicht gefallen ist. Übrigens haben wir damals den ersten Auswärtspunkt der Saison geholt.Noch eine Sache, die nicht jeder von sich behaupten kann: Ich hatte einen eigenen Eintrag im Mitwitzer Mitteilungsblatt.

HP: Eigener Eintrag im Mitteilungsblatt? Hilf uns bitte auf die Sprünge!

Bernd Scholz:Das ist eine etwas kuriose Geschichte. Als ich damals die Ausbildung zum Hilfssheriff bei Harald Weissbrodt angetreten habe, gab es eine Art Ehrenkodex, auf den mal als Gesetzeshüter für den Mitwitz County vereidigt wurde. Ein Absatz daraus lautete: "Wer über die erste Mannschaft schimpft, wird verhaftet und kommt ins Jail."Spaß beiseite:Wir haben uns zu dieser Zeit den Spaß erlaubt, Haftbefehle in das Gästebuch zu schreiben. Und ich habe den Fehler gemacht, dass ich konkrete Namen im Gästebuch genannt habe und eine Art Belohnung (ich glaube es waren damals 1000 Lire) für das Ergreifen der besagten Personen ausgeschrieben habe. Leider wurde das nicht so als Spaß verstanden und es hatte gewisse Konsequenzen, die ich damals so nicht erwartet hatte. So entwickelte sich die Story zu einem richtigen Skandal, mit Vereinsaustritten etc. Weiterhin wünschte sich eine Person, die dem Verein trotzdem treu geblieben ist eine offizielle, öffentliche Entschuldigung im Mitteilungsblatt Mitwitz.Nachdem ich diesem Wunsch nachkam, habe ich noch ein persönliches Gespräch mit der Person geführt und meinen Fehler eingesehen.Derjenige erkannte meinen jugendlichen Leichtsinn und damit war die Sache vom Tisch.

HP:Nachdem du ja scheinbar ein "Multi-Tasker" bist, freuen wir uns bereits jetzt schon auf viele freudige Ereignisse mit dir. Aber welches Ziel würdest du gerne mit dem FC M erreichen?

Bernd Scholz:In dem Fall möchte ich nicht unbedingt von einem persönlichen Ziel sprechen. Ich denke es ist auch etwas abwegig von einem persönlichen Ziel zu sprechen, wenn man nur eine handvoll Spiele im Jahr in der 3. Mannschaft macht.Ich sehe den FCM insgesamt auf einem sehr guten und vor allem gesunden Weg. Hier wird seit Jahren ein super Job gemacht, was natürlich an dem guten Trainergespann, sowie der fähigen Vorstandschaft liegt. Man kann dem FCM nur wünschen, dass dieser Weg konsequent weitergeführt wird. Aus meiner Sicht, sollten alle 3 Herrenmannschaften in der Lage sein in den jeweiligen Ligen eine Spitzenrolle zu spielen.Konkret wünsche ich mir die Meisterschaft der 3. Mannschaft und zwei Aufstiege mit der ersten und zweiten Mannschaft. Das ist natürlich sehr optimistisch, aber aus meiner Sicht absolut machbar. Auf jeden Fall werde ich an jedem Spieltag, an dem ich nicht persönlich da sein kann, vom Allgäu aus mitfiebern und beide Daumen drücken.

HP: Wann wirst du dein "Debüt" geben?

Bernd Scholz:Mein Debüt gebe ich irgendwann in Frühjahr, wenn kein Schnee mehr liegt und es allgemein nicht mehr so kalt ist.Außerdem bin ich ja während der Tennissaison eh regelmäßig im Lande, von daher sollte sich da schon der ein oder andere Termin finden lassen.Der Preiskopf in Mitwitz am Dreikönigstag wäre natürlich eine Überlegung. Leider Gottes habe ich nur bis 03. Januar Urlaub. Aber vielleicht habe ich ja am 05.01. einen Außendiensttermin in Buxtehude und verfahre mich dabei ein wenig.

HP:Allerdings hast du ja bisher nicht nur beim FC M und diversen Kart-Events von dir Reden gemacht, sonder bist auch beim TV Mitwitz (Abteilung Tennis) recht erfolgreich. Genauer gesagt zählst du ja offiziell zu den Leuten, die die Mitwitzer Vereine über den Landkreis hinaus bekannt machen. Wie stehst du zum "Aufstreben" unserer Vereine?

Bernd Scholz:Ich werde gleich rot.Die Entwicklung im Tennisclub ist eine super Sache. Wir zählen zu den 10 besten Teams aus Oberfranken und haben ein Jahr in der Oberfrankenliga vor uns.Allerdings kann man die Basis beider Vereine nicht vergleichen. Der FC hat über Jahre eine hervorragende Jugendarbeit geleistet und hat so ein viel größeres Potential.Beim TV haben wir aktuell 4 starke "einheimische", die von 2 sehr sympathischen tschechischen Jungen verstärkt wird. Ohne diese Qualität wäre das Bestehen im "Konzert der Großen" gar nicht möglich.Natürlich ist das Interesse am Fussball wesentlich größer, das ist ganz normal. Aber ich finde es gigantisch, dass 80% unserer Zuschauer vom FC Mitwitz kommen.Das dokumentiert einen gewissen Zusammenhalt zwischen den beiden Vereinen. Einen großen Anteil an dieser Identifikation daran haben natürlich auch Christian Schramm und Daniel Schindler, die sowohl beim FC, als auch beim TV Mitwitz aktiv sind.Insgesamt sollten wir diesen Status so lange genießen, wie nur möglich. Beide Vereine vertreten den Kronacher Landkreis auf Bezirksebene und das ist eine tolle Sache.

HP: Seit geraumer Zeit darf aufgrund einer "Überplakatierung" am Mitwitzer Verkehrknotenpunkt (B303; Ludw.-Freih.v.W.-Str.) nicht mehr für ortsansässige Vereine geworben werden. Deine Meinung als Sportler, bzw. als Funktionär?

Bernd Scholz:Von dieser traurigen Entscheidung habe ich bereits gehört. Allerdings muss es diese Überplakatierung während meiner Zeit in Kempten gegeben haben.Aus meiner Sicht als "Pendler" zwischen Kempten und dem Kronacher LandkreisIst nichts einfacher, als Plakate zu lesen, um zu wissen wo was los ist.Weiter finde ich es schade, dass erfolgreichen Vereinen, die in meinen Augen sogar als Vorzeigevereine dienen sollten, ein solcher Werbekanal verschlossen wird. Immerhin erfreuen sich diverse Verantwortliche, um bei gegebenem Anlass an verschiedenen Aufstiegsfeiern Titel wie „Aushängeschild" zu vergeben und so Sympathien der Mitglieder zu ernten. Einerseits wird durch Autobahnwerbung auf Mitwitz aufmerksam gemacht, andererseits verschweigt man diesen Besuchern sogleich die wenigen Attraktionen, die durch Einheimische auf die Beine gestellt wurden und werden. Immerhin sollen ja "neue" Besucher "gelockt" werden, was bisher auch beim Tennis über unsere ausgelegten Flyer sehr gut funktioniert hat.

Vielen Dank, Bernd, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Wir wünschen dir eine erfolgreiche und verletzungsfreie Zeit in Mitwitz.
 
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